Es ist jetzt schon eine Weile her, dass bei uns im Hausflur eine Mitteilung des “Amts für Straßenbau und Erschließung” hing, in der es um die “Umgestaltung des Knotenpunkts Burgstraße / Germaniastraße” ging. Jeder, der die kleine Rechts-vor-Links-Kreuzung kennt, und viele der werten Leserinnen und Leser werden sie kennen, denn sie ist Teil der Fahrradroute von Seckbach in Richtung Zeil, wird wohl kaum auf den Gedanken kommen, sie “Knotenpunkt” zu nennen, denn es ist eben nur eine kleine, ganz normale Kreuzung. Gut, aber so sind Ämter eben, dann nennen sie eben eine gewöhnliche Straßenkreuzung einen “Knotenpunkt”, irgendwoher muß man ja seine Bedeutung holen. In der MItteilung ist von der “Grundhaften (sic) Erneuerung des Kreuzungsbereichs” die Rede. Im Rahmen der Bauarbeiten würden
- die Gehwege erneuert,
- sog. “Gehwegnasen” angelegt,
- der abgetrennte Radweg aufgegeben und auf der Fahrbahn geführt (wobei man dazu sagen muß, dass wirklich NIEMAND jemals den vorherigen sog. “Radweg” benutzt hat, da er viel zu schmal, schlecht ausgeschildert und aufgrund von Vernachlässigung (durch Baumwurzeln) seit langem unpassierbar war).
Aufgrund der Baumaßnahmen könnten “vier bis fünf zusätzliche Parkplätze angeboten werden” (da freuen wir uns aber, über neue Parkplätze, da können sich ja dann noch mehr Leute Autos kaufen. Und was sind das überhaupt für Planungen, die nicht wissen, ob sie vier oder fünf Parkplätze anlegen?) und “Flächen für vier Baumpflanzungen mit Fahrradabstellmöglichkeiten gesichert werden”.
Soviel zur Beamtenprosa. Wichtig zu erwähnen ist noch, dass sich an der Kreuzung der Eingang/Ausgang der Comenius-Grundschule mit einem Zebrastreifen befindet. Wie “Grundhaft” die Erneuerung dann tatsächlich war, kann man auf diesen Bild der Bauarbeiten vom 12. März erkennen, unter der Burgstraße liegt der Strand:

Mittlerweile sind die Bauarbeiten beendet und man sieht, wie sich die Stadt die Zukunft der wichtigen und vor allem von Radfahrern stark befahrenen Fahrradstraße offenbar vorstellt: “tight ist the new cool” könnte man dazu sagen, denn im gesamten Kreuzungsbereich wird der von Radfahrern (in beiden Richtungen) und Autos (in nur einer Richtung zur Rothschildallee) zu befahrene Straßenraum deutlich verengt.
Hier ein Bild der neuen Situation und der Engstelle, aufgenommen noch während der Bauarbeiten:

Die Straßenverengung befindet sich nicht nur an der im Foto markierten Stelle, sondern auch die 10m davor und auf der anderen Kreuzungsseite ebenfalls. Es steht faktisch u.a. aufgrund der absurd vergrößerten und in die Fahrbahnmitte ragenden “Gehwegnasen” einfach weniger Platz zur Verfügung, den sich Autos und Radfahrer in ihrer Bewegung teilen müssen. Wie das in der Realität aussieht, kann jeder Radfahrer aus der Praxis berichten:
- Treffen sich Radfahrer und Auto in der gleichen Bewegungsrichtung, versucht das Auto in gefährlicher Weise mit dem Radfahrer bzw. an ihm vorbei durch die Engstelle zu kommen, die wenigsten Autofahrer bremsen ab, es kommt zu einer deutlichen Gefährdung der Radfahrer.
- Treffen sich Radfahrer und Auto in entgegengesetzter Bewegungsrichtung, behält das Auto zumeist Tempo und Richtung bei und erwartet, dass der Fahrradfahrer ihm aufgrund des stärkeren Gefährts (und der höheren Sicherheit des Fahrers) die “Vorfahrt” gewährt, bis der Wagen durch die Engstelle gefahren ist.
Die Straßenverengung mit riesigen Gehwegnasen ist sicherlich fußgängerfreundlich (auch wenn man sich fragt, was auf den massiv vergrößerten Bürgersteigen passieren soll außer den üblichen Falschparkern), verschlechtert aber deutlich die Befahrung der Fahrradstraße.
Eine ähnliche gefährliche Verengung der Straßensituation scheint den Radfahrern auf der Fahrradroute weiter unten Richtung Zeil im Verlauf der Burgstraße auf dem Martin-Luther-Platz vor der Lutherkirche zu blühen. Auch hier sind seit Wochen große “Grundhafte” Bauarbeiten und die Umgestaltung der gesamten Verkehrssituation im Gange. Die riesigen Gehwegnasen verringern auch hier den Platz auf der Straße für Autofahrer und Radfahrer deutlich.
Zu bedenken gibt es bei all den genannten Baumaßnahmen, ob die von der Stadt betriebene Verengung ein verkehrspolitisch gewolltes Programm ist und in den – dann verengten – Straßen zu einer Verlangsamung des Autoverkehrs führen soll (was auch den Radverkehr sicherer machen würde). Genausogut könnte es bei einer fehlenden Verlangsamung der Autos aber auf Kosten der Radfahrer zu einem erhöhten Gefahrenpotential auf Kosten der Radfahrer kommen. Tatsächlich reden wir hier im gesamten Straßenverlauf schon über eine Tempo-30-Zone. Wie die Realität aussieht, wird jeder aus der Praxis selbst beurteilen können, die meisten Autos sehen die Tempo-30-Vorschrift allenfalls als Aufforderung zum Tempo-50-fahren. Äußerst fragwürdig bleibt, ob eine Verengung der Straße tatsächlich eine höhere Sicherheit für Radfahrer schafft oder nicht viel mehr die Unfallgefahr erhöht durch die geringere Distanz zu Autos und die verschlechtern Möglichkeiten der Fahrzeuge, aneinander vorbeizukommen. Hier könnte sich ein ähnliches Eigentor des Verkehrsamtes anbahnen wie die vielbesprochenen Laternenpfähle mitten auf dem neuen Radweg in der Friedberger Landstraße.
Abzuwarten und aufgrund der aktuellen Baurbeiten nicht zu sehen ist, ob denn auch der separate und in zwei Richtungen laufende Radweg zwischen Germaniastraße und Rothschildallee klammheimlich wegfällt, wir werden berichten.
Alles in allem sehen wir hier, dass die Förderung des Fahrradverkehrs in der Fahrradstraße Burgstraße trotz des massiv ansteigenden Fahrradverkehrs nur halbherzig bis gar nicht betrieben wird. Hier gibt es trotz der vollmundigen Ausweisens der Strecke als Fahrradroute weiterhin
- keine Express-Route für Radfahrer, wie es in London praktiziert wird, um die Attraktivität zu erhöhen,
- noch nicht einmal eine durchgehende Fahrbahnmarkierung der Route
- keine Vollendung der Route bis in die City, etwa zur Zeil, die Route endet im Nirwana am Bethmann-Park.
Es nützt eben nichts, von einem angeblich fahrradfreundlichen Frankfurt nur zu reden, wie es das Radfahrbüro der Stadt Frankfurt vollmundig und mit Bildern von glücklichen Kindern suggerieren will, der wirkliche Wille zeigt sich in solchen Baumaßnahmen, die faktisch nur zu mehr Parkplätzen, der Verknappung des Straßenraums für Radfahrer und zur Verlangsamung und Behinderung des Radverkehrs – selbst auf einer “Fahrradroute” – führen.