8. Mrz 2011 0
Nachtrag: Neues von August Lehr
Im vorherigen Beitrag hatten wir ja erwähnt, dass in dem nicht ganz so kunst- und geschichtssinnigen Frankfurt schon mal ein Denkmal verloren gehen kann, in diesem Fall das Denkmal für August Lehr, von dem wir nebenstehend sogar noch eine Abbildung gefunden haben. Lt. Wikipedia gewann Lehr 1888 im Alter von 18 Jahren die Englischen Meisterschaften im Hochradfahren (die als inoffizielle Weltmeisterschaft über eine englische Meile gefahren wurde), 1891 war er nach der Anzahl der errungenen Siege der beste Fahrer der Welt. 1893 stieg Lehr auf das Niederrad um, ein Jahr später wurde er Weltmeister in Antwerpen und wurde damit der erste deutsche Weltmeister im Radsport.
August Lehr war also nicht nur ein überaus erfolgreicher (260 Siege!), sondern auch ein vielseitiger Radfahrer, siegreich auf dem Hoch- und dem Niederrad. Nach allgemeiner Erkenntnis ging die 1926 von der Familie von Opel gestiftete Bronzestatue des Frankfurter Bildhauers Emil Hub während der Abrißarbeiten des alten Waldstadions (ab Juni 2002) und dem Neubau des neuen Stadions mit dem unmöglichen Namen “verloren”.1
In dem Buch Die Geschichte der Rad-Weltmeisterschaft von Helmer Boelsen fanden wir hierzu folgende Passage:
Als 1925 in seiner Heimatstadt Frankfurt das Stadion gebaut wurde mit einer 400 Meter langen Radrennbahn, ließen ihm die Brüder Adam und Fritz von Opel, die einst zu seinen Rivalen und Bewunderern zählten und inzwischen im nahen Rüsselsheim Autos und Fahrräder bauten, ein Denkmal errichten. Da stand er nun, in Bronze gegossen über der Gegengeraden, und schaute dem Treiben seiner Nachfahren zu.Er stand dort achtzig Jahre lang. Doch als das Frankfurter Waldstadion dann 2005 für die Fußball-Weltmeisterschaft umgebaut wurde (die Radrennbahn und besonders die im Innenraum errichtete Eisbahn waren seit Mitte der achtziger Jahre zu Sportruinen verkommen), da war eines schönen Tages – oder besser gesagt einer dunklen Nacht – der Weltmeister in Bronze verschwunden. Eigentlich sollte er nach Wunsch der Stadtväter dort stehen bleiben. Es müssen kräftige Burschen am Werk gewesen sein, mit schwerem Gerät und stabilen Transportfahrzeugen. Nur einen Arm des Koloss hatten sie liegengelassen. Es ist anzunehmen, dass der erste deutsche Radweltmeister längst eingeschmolzen wurde und die achtzig Jahre alte Bronze anderen Zwecken zugeführt ist.
Tja, vielleicht war es so. Kein schönes Ende für die Statue des ersten deutschen Radweltmeisters.
- Übrigens wurde die – dem Zeitgeschmack gemäß stark antikisierende – Statue auf Drängen des Direktors der Kunstgewerbeschule, Fritz Wichert, und entgegen der Empfehlung der Familie von Opel in die hinterste Ecke des Radstadions verbannt, da Wichert ein vernichtendes Urteil über die künstlerische Qualität der Plastik abgegeben hatte. Wer weiß, vielleicht wurde ihr der abgelegene Standort später zum Verhängnis. Quelle: Bauer, Thomas: Frankfurter Waldstadion: 75 Jahre Sportgeschichte 1925-2000, Frankfurt am Main 2000, S.26.
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