Eine kleine Ergänzung zu unserem Beitrag über die – vielleicht ja auch nur aus wahltaktischen Gründen geplante – Mini-Fahrradstation an Hauptwache oder Konsti mit sage und schreibe 100 Stellplätzen: wie der Rad-Spannerei-Blog berichtet, wurde im holländischen Haarlem (150.000 Einwohner) die größte Fahrradparkanlage Europas in Betrieb genommen, z.Zt. mit 4000, später mit 5050, möglicherweise in einer weiteren Ausbauphase sogar mit 8000 Stellplätzen.
Da haben wir doch sehr gelacht, welch schöne Akronyme die englische Sprache zustande bringt, in diesem Fall in dem interessanten BBC-Artikel It’s not about the bike ein verballhorntes “Mammal” = Säugetier:
Why invest in a Chris Boardman streamlined two-wheeler and turn into a MAMIL (middle aged man in lycra)
Die haben wir auch schon in Frankfurt auf der Straße gesehen, diese MAMILs!
Artikel auf Spiegel Online über eine merkwürdige Abart der Fahrradszene: Freakshow auf zwei Rädern. Wenn man es sich etwas weniger aufgeregt anschaut, sind es in die Höhe gebastelte Fahrräder, die bei SPON natürlich gleich zu “Mutant-Bikes” oder eben einer “Freakshow” werden.
Dabei sitzen die wahren Freaks doch in ihren SUVs und versuchen zwischen den neu eingerichteten Schwellern in der Bornheimer Comeniusstraße von 20 auf 70 km/h zu beschleunigen…
Peinlich, peinlich, dass man sowas im sehr viel kleineren Frankfurt (mit seinen vielen Banken) nicht hinbekommt. Die Radwege in London sind in “Barclays-Blue” gestrichen, aber das wäre mir als Radfahrer egal, ich würde gerne auf einem gelben (oder grünen?) Commerzbank Cycle Superhighway die Friedberger runterdonnern…:
Na, das gibts aber selten, dass die lieben Nachbarn sich mal lobend äußern. Jedenfalls wird Katrin Eder, grüne Kandidatin für das Amt der Grün-, Umwelt- und Verkehrsdezernentin, in der Allgemeinen Presse folgendermaßen zitiert:
„Man guckt als Mainzer nicht gerne nach Frankfurt“, sagte Eder. „Aber was das Fahrradfahren angeht, sollte man es tun – weil es dort einen anderen Stellenwert hat.“ In Frankfurt werde eine Kampagne nach der anderen gestartet, um die Leute aufs Rad zu lotsen. In Mainz gibt es in den Augen der rot-grünen Altstadt-Koalition deutlich Luft nach oben in Sachen Fahrradfreundlichkeit.
Zum Ausklang einer Woche mit exzellentem Fahrradwetter ein Trailer zum Bicycle Film Festival, das dieses Jahr seinen 10. Geburtstag feiert und gerade in London gastiert (ja, ist gefährlich, sollte man nicht nachmachen):
Wir gucken schon seit Jahren keine Tour de France mehr, trotz des magischen Tunnelblicks der Fernsehübertragungen. Ja, wir verachten sogar Sportler, die dopen und ihre enthusiastischen Fans betrügen.
Und jetzt bekommt auch noch Contador die Quittung für sein angeblich mit Clenbuterol verseuchtes Essen…
Der Blick auf andere Städte lohnt sich immer wieder. Und sei es nur, um zu sehen, dass Frankfurt am Main noch einen deutlichen Nachholbedarf in Sachen Fahrradkultur hat: die drittgrößte schwedische Stadt Malmö hat eine Kampagne gestartet, um “lächerliche / vernachlässigenswerte Autofahrten” zu brandmarken und zu verhindern: Inga Löjliga bilresor
Sehr schöne Idee: Autofahrer konnten mit einer Beschreibung ihrer lächerlichsten Autofahrt an einer Verlosung teilnehmen – und ein Fahrrad gewinnen. Man stelle sich das hier in Frankfurt vor, da wäre die Konkurrenz groß: “Bin mit dem Auto gefahren, um vor dem Café Karin meine neuen Felgen und den tollen Sound meines Autos vorzuführen…”
Martin Lang hat die Macherinnen zu der erfolgreichen Kampagne befragt: