12. Mai 2010
1:0 für das Frankfurter Radfahrbüro
Ehrlich gesagt war es ja ein Test, nämlich ein Test des Frankfurter Radfahrbüros, von dem wir außer einer schicken Website bisher an konkreten Handlungen zur Verbesserung der Fahrradkultur in Frankfurt kaum was mitbekommen haben. Viel reden, schön aussehen, aber nichts dahinter, das war die Ausgangsmeinung. Deshalb haben wir die Probe aufs Exempel gemacht und einen Fahrrad-Mißstand (einen wirklich gefährlichen Radweg in der Innenstadt) gemeldet und abgewartet, was passiert. Hier zunächst die erste Anfrage über das Kontakt-Formular des Radfahrbüros:
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Fahrradweg in der Stephanstraße ist auf seiten und in Höhe der Liebfrauenschule in einem fast nicht mehr befahrbaren Zustand. Offensichtlich durch Baumwurzeln ist das Pflaster des Weges so aufgeworfen, dass selbst bei normalem Tempo ernsthafte Gefahren für Radfahrer bestehen. Ich möchte Sie hiermit bitten, diese Gefahrenstelle zu beseitigen.
Vielen Dank & mit besten Grüßen
Daraufhin ging eine höfliche E-Mail-Bestätigung der Anfrage ein (die ich übrigens, siehe unten, – nobody is perfect und mea culpa – übersehen hatte). Aber: es passierte NICHTS weiter. Fünf Wochen später fragte ich noch einmal nach:
Betreff: Radweg in der Stephanstraße / Nachfrage
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich hatte Ihnen am 7.3.2010 eine Anfrage wg. des schlechten Radweges in der Stephanstraße über dieses Kontaktformular geschickt. Da mittlerweile über ein Monat vergangen ist, ich von Ihnen aber in der Sache nichts weiter gehört habe, keine Eingangsbestätigung, keine Äußerung zum Thema, rein gar nichts1, wollte ich mal nachfragen, wie der Stand der Dinge in der Sache ist.
Da Sie ja behaupten, dass “das Radfahrbüro im Straßenverkehrsamt Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger in Sachen Radverkehr” ist, und “eine koordinierende Funktion innerhalb der Stadtverwaltung” innehat, nehme ich doch an, dass ich bei Ihnen an der richtigen Stelle bin (lasse mich aber auch gerne eines besseren belehren).
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören bzw. den beschriebenen Mißstand in der Stephanstraße beseitigt zu sehen.
Mit besten Grüßen
Dann geschah am selben Tag etwas Überraschendes, nein, es waren sogar zwei Überraschungen: es gab 1.) eine Antwort und 2. ) eine überaus überraschende Antwort:
Nochmals vielen Dank für Ihren Hinweis. Die von Ihnen genannte Stelle ist nicht mehr als benutzungspflichtiger Radweg ausgewiesen. Sie muss somit nicht befahren werden. Hier ist das Fahren auf der Fahrbahn nun nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht.
Ungeachtet dessen haben wir die Stelle mit Foto an das Straßenbauamt gemeldet. Allerdings ist aufgrund der großen Frostschäden und des Sanierungsrückstandes im gesamten Stadtgebiet eine baldige Verbesserung an dieser Stelle eher unwahrscheinlich.
Das ist ja dann doch schon sehr erstaunlich: es gibt einen Radweg, der aber nicht mehr als Radweg genutzt werden soll. Wer dort also fährt und aufgrund des schlechten Zustandes Gefahr läuft, sich mit dem Fahrrad aufgrund der tückischen Bodenwellen hinzulegen, handelt falsch. Richtig handelt der Radfahrer, der auf der sehr schmalen – und deshalb für Radfahrer recht gefährlichen – Straße fährt.
Erstaunlich, erstaunlich, zumal nirgendwo ein Schild auf die Unbenutzbarkeit hinweist. Man stelle sich das im Autoverkehr vor: eigentlich ist die B3 gesperrt, aber es wird keinerlei Schild dafür aufgestellt.
Aber vielleicht unterstellte das “Team vom Radfahrbüro”, dass ein vernünftiger Radfahrer diesen gefährlichen Radweg nach einmaliger Benutzung ohnehin nicht mehr verwendet?
Jedenfalls schien die Sache damit klar und gegessen, wenn auch unbefriedigend gelöst. Aber eine Woche später erhielt ich eine weitere E-Mail, diesmal direkt vom “Radfahrbeauftragten” aus dem Straßenverkehrsamt:
Sehr geehrter Herr V.,
soeben habe ich mitgeteilt bekommen, dass der Schaden bis Ende Mai behoben sein wird. Hierbei müssen zwei Ämter (Straßenbauamt und Grünflächenamt) gemeinsam agieren. Deshalb geht es nicht schneller.
Mit freundlichen Grüßen
Das nenne ich doch mal eine Ansage und eine Antwort. Wir werden die Sache weiter verfolgen und berichten, ob den Worten Taten folgen werden.
Apropos Worte & Taten: wir würden uns freuen, wenn auch andere Frankfurter hier – im Sinne eines offenen Bürgeraustauschs – von Ihren Erfahrungen mit dem Frankfurter Radfahrbüro und über Frankfurter Fahrradkultur berichten würden. Schreibrechte für den Frankfurter Fahrradsommer werden gerne vergeben.
- Mea culpa, ich hatte die Eingangsbestätigung übersehen… [↩]

